12. Februar 2002: Die internationale Kindersoldatenkoalition feiert das Inkrafttreten des Kindersoldatenprotokolls mit tausenden roten Händen vor dem UN- Gebäude in Genf.

Kurzchronik

Einsatz gegen den Mißbrauch von Kindern als Soldaten – eine erfolgreiche Kampagne

 

50er Jahre: im Film „Die Brücke“ beschreibt Bernhard Wicki, wie in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs 15- und 16- jährige Hitlerjungen sinnlos gegen die US- Armee ins Feuer geschickt werden.

70er Jahre: Erste Veröffentlichungen der englischen Quäker und amnesty international zum weltweiten Einsatz von Kindern als Soldaten in Kriegen, Charakterisierung als Menschenrechtsverletzung und Kriegsverbrechen

1979 bis 1989: Verhandlungen bei den Vereinten Nationen zur Schaffung einer Konvention zu den Rechten des Kindes. Besonders große Interessensgegensätze gab es beim Artikel 38, dem Schutz der Kinder in bewaffneten Konflikten. In Artikel 38.3 soll Schutz vor Rekrutierung garantiert werden, gültig für alle bis zum 18. Lebensjahr, der in Artikel 1 der Konvention niedergelegten Altersgrenze. Dagegen sperren sich insbesondere die USA und England, die in ihre Berufsarmeen bereits 16- jährige rekrutieren. Aber auch die damalige Sowjetunion und China wollen kein Rekrutierungsverbot für unter 18- jährige. Ergebnis ist ein fataler Kompromiss: ausgerechnet für den Krieg, wenn das Leben, die Gesundheit und die moralische und seelische Integrität jeden Kindes aufs höchste gefährdet ist, einigten sich die Vertragsstaaten auf die niedrige Altersgrenze "Vollendung des 15. Lebensjahres". Intensive Bemühungen namhafter Nichtregierungsorganisationen blieben erfolglos.

1993: Das UN- Komitee zum Schutz der Rechte der Kinder (das in der Kinderrechts- Konvention vorgesehene Überwachungsorgan) führt eine Anhörung zur Situation von Kindersoldaten durch. Es wird angeregt, den schlechten Schutz durch ein Fakultativprotokoll zu verbessern. Die UN- Generalversammlung richtet eine Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung des Zusatzprotokolls ein, sie tagt in Genf.

1993-1998: Erfolglose Arbeit der Arbeitsgruppe, die Interessen der Staaten, die Minderjährige in ihre Berufsarmeen rekrutieren, setzen sich weiterhin durch. Verschiedene NGOs versuchen intensiv, genügend Regierungen zu überzeugen, um das Zusatzprotokoll durchzusetzen.

1994- 1996: Die UN geben eine internationale Studie zur Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten in Auftrag. Sie wird von Graca Machel koordiniert, der ehemaligen First Lady Mosambiks und Lebenspartnerin von Nelson Mandela. Diese umfassende Studie enthält auch ein Kapitel über die Situation von Kindersoldaten, auf der Grundlage der Arbeiten von Rachel Brett und Margaret McCallin

1997: Gründung der internationalen Kindersoldatenkoalition in Genf. Beteiligt sind: amnesty international, das Genfer Büro der Quaker, Human Rights Watch, Save the children Sweden, terre des hommes International Federation, World Vision, Jesuit Refugee Service. Ihr Forderung „straight 18“, das heißt, niemand unter 18 Jahren soll in bewaffneten Einheiten Dienst tun, gleich ob es sich um reguläre Armeen oder irreguläre bewaffnete Gruppen handelt.

1999: Beginn der internationalen Kindersoldatenkampagne. Es werden internationale Konferenzen zum Thema Kindersoldaten organisiert, um für die im Januar 2000 stattfindende Sitzung der Arbeitsgruppe massiven internationalen Druck aufzubauen und die Medien aufmerksam zu machen. In Montevideo (Lateinamerika), Maputo (Afrika) wird deutlich, dass es sich um eine schwerwiegende, hunderttausende Kinder betreffende Menschenrechtsverletzungen handelt. Im November 1999 gelingt es dann in Berlin (Europa und Zentralasien), die meisten „Bremser- Staaten“ zu einer vom Auswärtigen Amt unterstützten Konferenz einzuladen und sie zu bewegen, einem Zusatzprotokoll zuzustimmen.

Januar 2000, Genf: Erstmals kommt es in der Arbeitsgruppe zu ergebnisorientierten Verhandlungen, das Zusatzprotokoll wird vereinbart, mit Hilfe intensiver Lobbyarbeit der internationalen Kindersoldatenkoalition. Nicht ganz erreicht werden kann „straigth 18“. Staaten mit Berufsarmeen bestehen auf einer Ausnahmeregelung. Sie dürfen weiterhin ab 16 Jahren Soldaten anwerben. Trotzdem: der völkerrechtliche Schutz von Kindern in vielen Kriegs- und Krisengebieten hat sich entscheidend verbessert.

Kuriosum: Die USA sind neben Somalia der einzige UN- Mitgliedsstaat, die die Kinderrechtskonvention nicht ratifiziert haben. Auf Grund einer besonderen Klausel im Vertrag dürfen sie trotzdem dem Zusatzprotokoll zur Konvention beitreten.

September 2000

Die UN- Generalversammlung nimmt das Protokoll an, die Ratifikationsfrist beginnt.

12. Februar 2002: Nachdem die Zahl der Ratifikationsstaaten die erforderliche Anzahl erreicht hat, tritt das Fakultativprotokoll über die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten in Kraft. Seither erinnert die internationale Kampagne an diesem Tag mit dem Red Hand Day an das Schicksal der Kindersoldaten.

 

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